Nachrichten aus der Kirche
17 Jan
In der vatikanischen Gerüchteküche brodelt es. Gegenstand der Interesses diesmal: die Nachfolge des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, William Joseph Kardinal Levada. Levada hat am 15. Juni 2011 sein 75. Lebensjahr vollendet und damit entsprechend dem Kodex des Kanonischen Rechts dem Papst seinen Rücktritt angeboten, den dieser annehmen kann oder nicht. Wie schon seit einigen Monaten verlautet war, scheint der Kardinal den Papst gebeten zu haben, ihn seines Amtes zu entpflichten. Aus diesem Grund wurden immer wieder Namen für einen möglichen Nachfolger auf eine der höchsten Stellen der katholischen Kirche ins Spiel gebracht. Italienische Vatikanexperten konzentrierten sich dabei in den letzten Monaten vor allem auf den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller.
9 Jan
Am Sonntag, dem 29. Januar, wir im hohen Dom zu St. Stephan in Wien die Sozialpolitikerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft “Caritas Socialis” zu Ehre der Altäre erhoben und in das Verzeichnis der Seligen der Kirche eingetragen.
Hildegard Burjan wurde am 30. Januar 1883 in Görlitz an der Neisse als zweite Tochter der jüdisch-liberalen Familie Freund geboren. In der Schweiz studierte sie als eine von wenigen Frauen Philosophie. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach schwerer Krankheit und fast wunderbarer Genesung konvertierte sie zum katholischen Glauben. Ihr neu geschenktes Leben wollte sie ganz für Gott und die Menschen einsetzen. Auf Grund ihrer hervorragenden sozialen und organisatorischen Fähigkeiten war Hildegard Burjan von 1918 bis 1920 als Politikerin tätig. Sie wurde zuerst in den Wiener Gemeinderat berufen, später wählte man sie als erste christlich soziale Abgeordnete in die neue Österreichische Nationalversammlung. Vieles, was heute an sozialer Lebensgestaltung und Einrichtung des Staates selbstverständlich erscheint, ist ihrer Mitwirkung zu verdanken. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die apostolische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 – auf Grund ihres tiefen Glaubens – sehr zuversichtlich. Ihr Werk, die Caritas Socialis, lebt weiter.
3 Dez
(kathpress.at) An die enge Verbindung von Liturgie und tätiger Nächstenliebe hat Kardinal Christoph Schönborn bei einem Gottesdienst mit Priestern und Gläubigen der griechisch-katholischen Kirche am Samstagabend im Wiener Stephansdom erinnert. Der östlichen Christenheit werde oft vorgeworfen, sie beschäftige sich zu sehr mit der Liturgie und zu wenig mit der Caritas. “Das stimmt nicht”, unterstrich der Wiener Erzbischof, der zugleich Ordinarius der Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich ist. Die Ostkirche verstehe Liturgie – stärker als die Westkirche – als Abbild der “himmlischen Liturgie”. Die Schönheit ihrer Liturgie aber “ist genährt von der Nächstenliebe”, so der Kardinal. Der Gottesdienst fand am Vorabend des Patroziniums der Griechisch-katholischen Zentralpfarre zur hl. Barbara statt. Die Kirche befindet sich in der Postgasse unweit vom Dominikanerkloster.
Schönborn erinnerte zudem an die schwierigen Umstände, unter denen sich vor wenigen Jahrhunderten Teile der Orthodoxie im damaligen Habsburgerreich der Jurisdiktion des Papstes in Rom unterstellten. Diese unierten Kirchen in der Ukraine, Rumänien, Ungarn und der Slowakei hätten unter der kommunistischen Diktatur “unvorstellbar gelitten”. Fast alle Bischöfe seien verhaftet worden, viele von ihnen als Märtyrer gestorben, manche von ihnen bereits seliggesprochen. Nach dem Zerfall des Sowjetherrschaft seien diese Kirchen wiedererstanden, “als Frucht des Martyriums, des Zeugnisses so vieler”.
Als für sie zuständiger Bischof (Ordinarius) betrachte er es als besonderen Moment, mit ihnen im Stephansdom eine Liturgie im byzantinischen Ritus feiern zu können.
Die Priester der griechisch-katholischen Ritus sind nicht zu einem zölibatären Leben verpflichtet. An dem Gottesdienst nahmen daher auch Frauen und Kinder der Geistlichen teil. Zelebrant der Liturgie war der neue Generalvikar (Protosyncellus) des byzantinischen Ordinariats in Österreich, Yuriy Kolasa. Er wurde 1974 in der westukrainischen Metropole Lemberg (Lwiw) geboren und studierte in Österreich am Internationalen Theologischen Institut für Studien zu Ehe und Familie (ITI) in Gaming (heute in Trumau). Anschließend wurde er mit der Leitung der “Kommission für Ehe und Familie” in der griechisch-katholischen Erzdiözese Lemberg betraut. Derzeit ist Kolasa Präfekt des Ausbildungsprogrammes für Seminaristen, Ordensmänner und Priester am ITI. Weiters schult er Leiter/innen von Ehevorbereitungskursen. Der Priester ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder.
12 Nov
Am morgigen Sonntag wird in Dornbirn der Märtyrer Carl Lampert im Auftrag des Papstes von Kardinal Amato seliggesprochen.
Der Seligsprechungsgottesdienst, der am 13. November in Vorarlberg auf ORF2 und österreichweit live in “ORF III” übertragen wird, beginnt mit einer Schweigeminute zur Todesstunde Carl Lamperts. Musikalisch umrahmt wird die Feier durch die Messe in d-Moll von Anton Bruckner und Werke verschiedener Vorarlberger Komponisten. Ausführende sind der Kirchenchor der Pfarre St. Martin mit dem Stiftschor St. Florian, der Kirchenchor Göfis und das Vokalensemble Lindenthal.
Zur Person von Carl Lampert:
Carl Lampert ist der ranghöchste Priester Österreichs, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. 1894 in Göfis in Vorarlberg geboren, war der Provikar ab 1939 als Stellvertreter von Bischof Paulus Rusch für die kirchliche Verwaltung des Tiroler Teils der damaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch verantwortlich. Lampert trat mutig gegen kirchenfeindliche Handlungen von NS-Gauleiter Franz Hofer auf, der Tirol als ersten “klösterfreien Gau” errichten wollte. So protestierte der Provikar etwa gegen die Enteignung des Frauenklosters “Zur Ewigen Anbetung” in Innsbruck. Mehrmals wurde Lampert in Gestapo-Haft genommen.
Wegen seines Eintretens für den 1940 im KZ Buchenwald ermordeten Tiroler Pfarrer Otto Neururer begann für Provikar Lampert im August 1940 ein Martyrium durch die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen-Oranienburg. 1941 wurde Lampert “gauverwiesen” und nach Stettin verbannt. Ein Gestapo-Spitzel verwickelte ihn dort in eine angebliche Spionage-Affäre. Am 13. November 1944 wurde Provikar Lampert in Halle an der Saale enthauptet.
Das Seligsprechungsverfahren für Carl Lampert wurde 1998 unter Bischof Klaus Küng in der Diözese Feldkirch eingeleitet. Ende Juni 2011 erkannte Papst Benedikt XVI. das Martyrium Lamperts an. Zuvor hatte die vatikanische Selig- und Heiligsprechungskongregation die Seligsprechung Lamperts empfohlen.